Netzwerk FNS Bundesverband für Funktionelle Neurologische Störungen (in Gründung)
Faktencheck von Netzwerk FNS – ein stilisierter Kopf mit Fragezeichen
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Der Faktencheck

Über FNS kursieren viele Behauptungen – in Praxen, in Gruppen, im Netz. Hier greifen wir sie einzeln auf, prüfen sie an Quellen und ordnen sie ein. In klarer Sprache, ohne jemanden bloßzustellen.

Diese Rubrik wächst Stück für Stück. Jeder Faktencheck erscheint zuerst als Beitrag auf Instagram und wird hier dauerhaft gesammelt – mit Verweis auf die ausführlichen Artikel.

Faktencheck #4 · August 2026

„FNS ist selten."

Falsch

FNS ist nicht seltener als Multiple Sklerose – nur viel weniger bekannt. Die Zahl der Neuerkrankungen liegt bei etwa 4 bis 12 pro 100.000 Menschen im Jahr, vergleichbar mit MS und ALS.

In neurologischen Sprechstunden gehört FNS zu den häufigsten Diagnosen: je nach Zählweise 6 bis 16 Prozent der Fälle, oft genannt als zweithäufigster Grund für eine neurologische Vorstellung – gleich nach Kopfschmerz.

Ehrlich bleibt: Die genauen Zahlen schwanken je nach Land und Definition, und die „zweithäufigste"-Angabe stützt sich stark auf schottische Daten. „Jede dritte Patientin" wäre übertrieben – das stammt aus einer einzelnen Klinikstudie und ist ein Ausreißer nach oben.

FNS ist also nicht die häufigste neurologische Erkrankung – aber weit häufiger, als ihr geringer Bekanntheitsgrad vermuten lässt.

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Faktencheck #3 · August 2026

„Einmal FNS, immer FNS."

Falsch

Die Diagnose FNS ist kein Urteil auf Lebenszeit. Anders als eine fortschreitende neurologische Erkrankung kann FNS sich bessern, stabilisieren oder ganz zurückgehen – bei manchen bis zur weitgehenden Beschwerdefreiheit.

Günstig wirken vor allem eine frühe Diagnose, eine kurze Zeit bis zum Behandlungsbeginn und der Zugang zu spezialisierter, funktionsorientierter Behandlung. Je kürzer der Weg zur Diagnose, desto besser sind die Aussichten.

Ehrlich bleibt: Besserung ist kein Selbstläufer. Bei einem Teil der Betroffenen – vor allem nach später Diagnose oder langem Verlauf – bleiben Beschwerden, manchmal dauerhaft. Das ist real, und es ist keine Schuld und kein Zeichen von zu wenig Anstrengung.

Falsch ist die Endgültigkeit im Satz. Nichts an der Diagnose legt fest, dass die Beschwerden für immer bleiben. Und umgekehrt: Sich früh auf „unheilbar" festzulegen und das Leben ganz danach auszurichten, kann sogar ungünstig sein – eine negative Erwartung an die Genesung zählt zu den Faktoren, die mit einem schlechteren Verlauf einhergehen. Die Tür offenzuhalten gehört zur Behandlung.

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Faktencheck #2 · August 2026

„FNS ist eine neue Krankheit."

Falsch

Die Krankheit ist uralt – eine unwillkürliche Funktionsstörung des Nervensystems, seit der Antike beschrieben und von Charcot im 19. Jahrhundert genau dokumentiert. Das war sie immer, auch als sie Hysterie oder Konversionsstörung hieß.

Auch die einzelnen Beschwerden sind dieselben geblieben: Zittern, Lähmungen und Gangstörungen fielen schon früher unter dieses Raster. Die funktionelle Gangstörung „astasia-abasia" benannten Charcot und sein Schüler Blocq bereits 1888. Und schon damals fiel auf, dass der Tremor sich verstärkt, wenn die Aufmerksamkeit darauf gerichtet wird – bis heute ein diagnostisches Zeichen der FNS.

Neu ist also nicht, dass es eine Funktionsstörung ist – neu ist die Antwort auf die Frage, wodurch sie entsteht. Das Konversionsmodell verlangte per Definition einen verdrängten seelischen Konflikt als Ursache. Davon hat sich das heutige Verständnis gelöst: Das DSM-5 strich das Erfordernis eines nachweisbaren seelischen Konflikts aus den Diagnosekriterien. Weg von der isolierten, ausschließlich psychischen Betrachtung, hin zum multifaktoriellen, bio-psycho-sozialen Modell der Leitlinie. Ein Trauma kann eine Rolle spielen, muss aber nicht – und wie bei jeder Erkrankung ist die Psyche Teil des Krankheitsgeschehens.

FNS ist also weder neu noch eine Modediagnose. Es ist ein neuer Name – und ein ehrlicheres Erklärungsmodell – für eine Krankheit, die die Medizin seit Jahrhunderten kennt.

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Faktencheck #1 · August 2026

„Wenn FNS positiv festgestellt wird, ist sie also messbar und bewiesen."

Falsch

Positive Zeichen wie das Hoover-Zeichen oder ein ablenkbarer Tremor zeigen zuverlässig, dass keine strukturelle Schädigung vorliegt – ohne belastende Untersuchungen wie eine Lumbalpunktion oder die Strahlung eines CT. Das ist ihr großer Vorteil.

Aber „positiv feststellbar" heißt nicht „messbar" oder „bewiesen". Es gibt bis heute keinen Messwert, der FNS im Einzelfall beweist. Die Diagnose ist eine klinische Feststellung anhand des Gesamtbildes – verlässlich, aber mit einer prinzipiellen Grenze: Ob etwas unwillkürlich ist, lässt sich von außen nicht sicher messen. Und „nicht strukturell" heißt nicht „nichts mit der Psyche zu tun" und schon gar nicht „eingebildet". Die Leitlinien gehen von vielen Ursachen zugleich aus; eine Mitbeteiligung der Psyche gehört dazu – ohne Schuld.

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