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Wissenschaft · Leitlinie 2026

Neue Leitlinie 2026: FNS ist positiv diagnostizierbar – und behandelbar

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hat 2026 erstmals eine eigene Leitlinie zu funktionellen Bewegungsstörungen vorgelegt. Sie räumt mit einem alten Missverständnis auf.

Lange galt die funktionelle neurologische Störung als „Ausschlussdiagnose“: Erst wenn Bildgebung und Labor nichts fanden, blieb FNS als Restkategorie übrig. Das hat Betroffene oft in eine zermürbende Odyssee geschickt – und den Verdacht genährt, es sei „nichts Richtiges“.

Die neue S2k-Leitlinie „Funktionelle Bewegungsstörungen“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN, 2026, AWMF-Register 030/148) kehrt das um. Ihr zentraler Satz: Die Diagnose soll über positive klinische Zeichen gestellt werden, nicht durch bloßen Ausschluss. Es gibt typische, im Untersuchungsgespräch prüfbare Befunde – etwa das Hoover-Zeichen (eine funktionelle Beinschwäche normalisiert sich kurz, wenn das gesunde Bein aktiv wird) oder das Entrainment (ein funktioneller Tremor übernimmt den Rhythmus einer vorgegebenen Bewegung). Auch die typische Variabilität der Symptome durch Aufmerksamkeitslenkung ist ein diagnostisches Merkmal. FNS ist also etwas, das man feststellen kann – nicht etwas, das übrig bleibt.

Ebenso wichtig ist, wie die Diagnose vermittelt wird. Die Leitlinie betont eine empathische Diagnosevermittlung: Betroffene sollen verstehen, was FNS ist und warum die Beschwerden real sind. Diese Verständigung ist kein Beiwerk, sondern gilt als Teil der Behandlung, weil sie Diagnoseakzeptanz und Krankheitsverständnis fördert.

Für die Therapie gibt die Leitlinie eine klare Richtung vor: transdisziplinär und integriert. Empfohlen werden Physiotherapie mit aktiven Methoden (weniger passive Anwendungen), Psychotherapie bei anhaltenden Beschwerden und individuell koordinierte Behandlungspläne unter fachärztlicher Hauptverantwortung. Eine parallele psychiatrisch-psychosomatische Einschätzung wird empfohlen. Ausdrücklich gilt: Es gibt keine Medikamente gegen die Grundstörung selbst – Wirkstoffe kommen höchstens bei Begleitbeschwerden zum Einsatz.

Damit steht FNS heute dort, wo Betroffene es verdienen: als eine Erkrankung, die man mit anerkannten Zeichen erkennen und mit wirksamen, aufeinander abgestimmten Therapien behandeln kann. Wie es ein Beitrag im Deutschen Ärzteblatt formuliert – es geht darum, FNS „vom Stigma der Hysterie“ zu lösen.

Quellen: DGN – S2k-Leitlinie Funktionelle Bewegungsstörungen (2026, AWMF 030/148) · Deutsches Ärzteblatt – „Vom Stigma der Hysterie lösen“

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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