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VerstehenSymptome bei FNS – die häufigsten Formen
Funktionelle Neurologische Störungen können sich auf sehr unterschiedliche Weise zeigen – und ähneln dabei oft anderen neurologischen Erkrankungen. Dieser Beitrag gibt einen Überblick, welche Symptome typisch sind.
„Symptom" heißt bei FNS nicht „eingebildet". Die Beschwerden sind real und oft stark belastend. Was die verschiedenen Formen verbindet: Die Symptome schwanken häufig (sie können sich bei Ablenkung bessern und unter Anspannung verstärken), sie lassen sich an typischen klinischen Zeichen positiv erkennen – und nicht selten treten mehrere gleichzeitig auf.1,2
Das Wichtigste zuerst
- FNS zeigt sich sehr unterschiedlich – von Lähmung über Zittern bis zu Anfällen.
- Die Beschwerden sind echt und oft belastend, nicht „eingebildet".
- Typisch ist die Variabilität: oft besser bei Ablenkung, stärker unter Stress.
- Die Symptome sind positiv erkennbar (an klinischen Zeichen), nicht nur durch Ausschluss.
- Mehrere Symptome zugleich sind häufig – das ist typisch, nicht widersprüchlich.
Funktionelle Schwäche & Lähmung
Ein Arm oder Bein fühlt sich schwer, kraftlos oder „wie fremd" an – bis hin zu einer Lähmung, die einem Schlaganfall ähneln kann. Typisch ist, dass die Kraft in bestimmten Situationen unerwartet zurückkehrt (z. B. eine funktionell geschwächte Beinstreckung, die automatisch gelingt, sobald das andere Bein aktiv wird – das Hoover-Zeichen). Die Bewegung ist also im Prinzip vorhanden, aber nicht willentlich abrufbar.1,3
Funktioneller Tremor & Bewegungsstörungen
Dazu gehören funktionelles Zittern (Tremor), ruckartige Zuckungen (Myoklonien), verkrampfte Fehlhaltungen (funktionelle Dystonie) oder tic-ähnliche Bewegungen. Kennzeichen des funktionellen Tremors: Er verändert sich, wenn die Aufmerksamkeit abgelenkt wird, und „übernimmt" oft den Rhythmus einer vorgegebenen Bewegung.2,3
Funktionelle Gang- & Standstörungen
Der Gang kann unsicher, schwankend, schleppend oder auffällig verändert wirken; manche Betroffene brauchen Halt oder Hilfsmittel. Auch hier ist die Variabilität typisch – das Gangbild kann sich je nach Situation und Aufmerksamkeit deutlich ändern.1
Dissoziative (funktionelle) Anfälle
Anfallsartige Zustände mit Bewusstseins- oder Bewegungsveränderungen, die epileptischen Anfällen ähneln können, aber keine epileptische Ursache haben. Sie werden häufig mit Epilepsie verwechselt. Wie sie entstehen und was hilft, liest du ausführlich im Beitrag „Dissoziation verstehen".4
Funktionelle Gefühls- & Sehstörungen
Möglich sind Taubheit, Kribbeln oder ein pelziges Gefühl in Körperteilen (funktionelle Sensibilitätsstörung) sowie Sehprobleme wie verschwommenes Sehen, Tunnelblick, Doppelbilder oder eine vorübergehende Sehverschlechterung – ohne dass die Augen selbst geschädigt sind.1,3
Funktionelle Sprech- & Stimmstörungen
Dazu zählen plötzliches Stottern, eine veränderte oder flüsternde Stimme, verwaschene Sprache oder ein Gefühl von Enge im Hals. Auch dafür gibt es eine gezielte, spezialisierte logopädische Behandlung.5
Funktionelle kognitive Störungen („Brain Fog")
Viele Betroffene berichten über Konzentrations-, Wortfindungs- und Gedächtnisprobleme – das oft beschriebene „Gehirnnebel". Diese Beschwerden sind real, aber funktioneller Natur: Die Leistungsfähigkeit ist grundsätzlich vorhanden, ihr Abruf ist gestört.2
Dissoziation, Depersonalisation & Erschöpfung
Häufige Begleiter sind ein Gefühl von Unwirklichkeit oder „wie hinter Glas" (Depersonalisation/Derealisation) sowie ausgeprägte Erschöpfung (Fatigue). Mehr zum Thema Abgekoppeltsein liest du unter „Dissoziation verstehen".6
Was diese Symptome gemeinsam haben
So unterschiedlich die Formen sind – drei Dinge gelten für alle: Die Beschwerden sind echt, sie sind positiv erkennbar (nicht nur ein Ausschluss), und sie sind behandelbar. Wie die Diagnose gestellt wird, erklärt der Beitrag „Ursachen & Diagnose"; welche Wege helfen, steht unter „Behandlung bei FNS".1,4
Die Beschreibung der Symptome folgt internationalen Fachübersichten (JAMA Neurology, The Lancet Neurology, BMJ), den Konsensempfehlungen für Sprachtherapie und Logopädie sowie der S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.
Bewusst verzichten wir hier auf Häufigkeitsangaben zu einzelnen Symptomen. Die vorliegenden Zahlen stammen überwiegend aus Spezialambulanzen und bilden deshalb ab, wer dort vorstellig wird – nicht, wie häufig ein Symptom tatsächlich ist.
Diese Übersicht dient dem Wiedererkennen und der Verständigung mit Behandelnden. Sie ist keine Checkliste zur Selbstdiagnose: Dieselben Beschwerden können viele andere Ursachen haben, und die Diagnose FNS wird über positive klinische Zeichen in der ärztlichen Untersuchung gestellt.
Quellen
- Espay AJ, Aybek S, Carson A, et al. Current Concepts in Diagnosis and Treatment of Functional Neurological Disorders. JAMA Neurology. 2018;75(9):1132–1141. doi:10.1001/jamaneurol.2018.1264. PMID 29868890. doi.org ↗
- Hallett M, Aybek S, Dworetzky BA, et al. Functional neurological disorder: new subtypes and shared mechanisms. The Lancet Neurology. 2022;21(6):537–550. doi:10.1016/S1474-4422(21)00422-1. PMID 35430029. doi.org ↗
- Aybek S, Perez DL. Diagnosis and management of functional neurological disorder. BMJ. 2022;376:o64. doi:10.1136/bmj.o64. PMID 35074803. doi.org ↗
- Weißbach A et al. (2026): Funktionelle Bewegungsstörungen. S2k-Leitlinie, AWMF-Registernummer 030/148, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Vollständig überarbeitete Fassung vom 2. Februar 2026, gültig bis 1. Februar 2031. Volltext (PDF) ↗
- Baker J, Barnett C, Cavalli L, et al. Management of functional communication, swallowing, cough and related disorders: consensus recommendations for speech and language therapy. Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry. 2021;92(10):1112–1125. doi:10.1136/jnnp-2021-326767. PMID 34210802. doi.org ↗
- Stone J, et al. Functional neurological disorder – Patienteninformation. neurosymptoms.org (abgerufen 2026). neurosymptoms.org (deutsch) ↗
Zur Autorin
Annette Gabriele Unverzagt
Journalistin mit 31 Jahren Berufserfahrung, ausgebildete Wissenschaftsjournalistin. Sie ist selbst von einer Funktionellen Neurologischen Störung betroffen und hat das Netzwerk FNS gegründet, weil verlässliche Informationen zu FNS im deutschsprachigen Raum schwer zu finden sind. Für diese Website recherchiert sie Fachliteratur, ordnet sie ein und legt offen, wo die Datenlage begrenzt ist.
Dieser Überblick ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Welche Symptome im Einzelfall vorliegen und wie sie einzuordnen sind, klären FNS-erfahrene Ärzt:innen.