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Sicherheit auf Social MediaWenn viele auf einen losgehen
Pile-ons in sozialen Medien: wie sie entstehen, warum sie sich gerecht anfühlen können – und was hilft
Eine Sachfrage, ein scharfer Satz, und plötzlich schreiben Dutzende unter einen Beitrag – nicht mehr zur Sache, sondern gegen eine Person. Was die Forschung über Pile-ons weiß, was das mit FNS zu tun hat und wie man sich schützt.
Kurz gefasst
Bei einem Pile-on gehen viele auf einmal auf eine einzelne Person los. Die Forschung beschreibt, wie das abläuft, warum Empörung in sozialen Medien belohnt wird und warum Mitmachen sich gerecht anfühlen kann. Der Beitrag zeigt auch, warum gerade sachliche Stimmen ins Visier geraten können, was Empörung mit denen macht, die sich empören – und was Angegriffenen und Mitlesenden hilft.
Was ein Pile-on ist
Bei einem Pile-on stürzen sich viele Menschen auf einmal auf eine einzelne Person oder einen Account. Im Englischen heißt das auch Dogpiling – nach dem Bild eines Haufens, bei dem sich alle auf einen werfen.
Die Schriftstellervereinigung PEN America führt das Phänomen in ihrem Leitfaden zu Online-Belästigung als „Cyber-Mob Attack“: Eine große Gruppe greift gemeinsam eine Zielperson an, mit Drohungen, Beschimpfungen und Beleidigungen. Eine Unterform nennt PEN America „Outrage Mob“: Die Gruppe will die Person öffentlich bloßstellen und bestrafen, oft für eine Meinung, die sie ablehnt oder aus dem Zusammenhang gerissen hat.1
Mitmachen kann sich dabei gerecht anfühlen. Forschende der University of Michigan haben 2018 in zwei Online-Experimenten mit 160 und 432 Teilnehmenden untersucht, wie Menschen Belästigung bewerten. Hatte die Zielperson zuvor etwas falsch gemacht, hielten die Teilnehmenden Belästigung für verdienter und gerechtfertigter – für angemessener hielten sie sie nicht.2
Wie ein Pile-on abläuft
Die Medienwissenschaftlerin Alice Marwick hat 28 Menschen befragt, die Online-Belästigung erlebt haben, dazu neun Beschäftigte aus den Sicherheitsteams von Plattformen. Daraus hat sie ein Modell abgeleitet, das sie „moralisch motivierte vernetzte Belästigung“ nennt:3
- Jemand aus einer Online-Gemeinschaft wirft einer Person vor, gegen die Werte dieser Gemeinschaft verstoßen zu haben.
- Der Vorwurf löst moralische Empörung aus.
- Mitglieder der Gemeinschaft schicken der Person feindselige Nachrichten. Damit zeigen sie, dass sie zur Gruppe gehören und ihre Werte teilen.
- Häufig schränkt die angegriffene Person danach ein, was sie öffentlich sagt, oder zieht sich ganz zurück.
Eine besondere Rolle spielen Accounts mit großer Reichweite. Oft verstärkt ein solcher Account den Vorwurf, und erst dadurch springt die Empörung auf das Netzwerk über. Laut einer Besprechung von Marwicks Arbeit reicht es häufig, wenn die reichweitenstarke Person das Verhalten der Zielperson als moralischen Verstoß beschreibt. Zum Angriff aufrufen muss sie nicht.4
Von der Sache zur Person
Paul Watzlawick hat beschrieben, dass jede Mitteilung einen Inhalt hat und eine Beziehung zwischen den Beteiligten ausdrückt.5 In einem Pile-on geht es oft nicht mehr darum, was gesagt wurde, sondern wer es gesagt hat und was man von ihr hält.
Der Psychologe John Suler hat 2004 beschrieben, warum Menschen online Dinge schreiben, die sie im Gespräch nicht sagen würden. Er nennt mehrere Faktoren, darunter Anonymität, die Unsichtbarkeit des Gegenübers und die zeitversetzte Antwort, bei der keine unmittelbare Reaktion zu sehen ist.6
Warum soziale Medien Empörung belohnen
Empörung bekommt in sozialen Medien besonders viel Rückmeldung, und diese Rückmeldung wirkt wie eine Belohnung. Das zeigt eine Studie der Yale University aus dem Jahr 2021.7
Das Team hat 12,7 Millionen Tweets von 7.331 Nutzerinnen und Nutzern ausgewertet und zwei Experimente mit 240 Teilnehmenden gemacht. Wer für einen empörten Beitrag viele Likes und Weiterleitungen bekam, äußerte sich danach häufiger empört. Dazu kommt ein zweiter Effekt: Menschen passen ihren Ton an das an, was in ihrem Netzwerk üblich ist.7
Die Forschenden sehen darin eine Folge des Geschäftsmodells der Plattformen, das auf möglichst viel Interaktion ausgelegt ist.8 Die Studie stammt von Twitter. Ob sich die Ergebnisse eins zu eins auf Instagram oder TikTok übertragen lassen, hat sie nicht untersucht.
Was das mit Betroffenen macht
Online-Belästigung ist verbreitet. In einer Umfrage des Pew Research Center von 2020 gaben 41 Prozent der Erwachsenen in den USA an, sie schon erlebt zu haben. Bei drei Vierteln davon fand der jüngste Vorfall in sozialen Medien statt.9
Wie belastend ein Vorfall erlebt wird, hängt in den Daten damit zusammen, wie Betroffene ihn einordnen. Von denen, die ihr Erlebnis als Belästigung bezeichneten, nannten es 19 Prozent extrem belastend. Bei denen, die es nicht so nannten, waren es 3 Prozent.10 Was dabei Ursache ist und was Folge, geben die Daten nicht her: Vielleicht macht die Einordnung das Erlebnis schwerer, vielleicht bekommen schwerere Erlebnisse eher den Namen Belästigung.
Marwick beschreibt in ihren Interviews eine weitere Folge: Viele Angegriffene schränken danach ein, was sie öffentlich sagen.3 Zahlen für Deutschland liegen in diesen Quellen nicht vor.
Was das für Menschen mit FNS bedeutet
Menschen mit FNS berichten viel Stigma. Eine Edinburgher Forschungsgruppe um Caoimhe McLoughlin, Alan Carson und Jon Stone hat dazu 2024 die Studienlage in einer systematischen Übersichtsarbeit ausgewertet. Untersucht wurde Stigma bisher vor allem bei funktionellen Anfällen. In drei Studien berichteten Betroffene dort mehr Stigma als Menschen mit Epilepsie. Erlebtes Stigma hing mit schlechterer Lebensqualität und mit Belastung der Angehörigen zusammen. Zu anderen Formen von FNS gibt es bisher wenige Studien.11
Woher dieses Stigma kommt, hat dieselbe Gruppe in Interviews untersucht. Befragt wurden 15 Menschen mit FNS im Alter von 19 bis 68 Jahren, gewonnen über Ambulanzen. Als Quellen von Stigma nannten sie Arbeit, Familie und Online-Kontakte. Mehrere Befragte tauschten sich im Netz über FNS aus, und bei einigen entzündete sich das Stigma-Erleben gerade dort. Als hilfreich erlebten sie, wenn andere ihre Erfahrung ernst nahmen und bestätigten.12
Dazu trägt ein verbreitetes Missverständnis bei: „Funktionell“ wird oft gelesen als „nicht echt“ oder „eingebildet“.13 Ob Menschen mit FNS häufiger Ziel von Pile-ons werden, hat keine dieser Studien untersucht.
Wem Empörung nützt
Wer einen Pile-on anstößt, gewinnt zunächst Aufmerksamkeit. Empörte Beiträge bekommen mehr Likes und Weiterleitungen, und wer dafür belohnt wird, empört sich danach häufiger.7 Wer mitmacht, zeigt nach Marwick vor allem, dass er zur Gruppe gehört.3 Die Plattformen verdienen an der Interaktion.8
Ob die Sache selbst davon profitiert, haben die Psychologen Matthew Feinberg, Robb Willer und Chloe Kovacheff untersucht. Sie nennen es das Dilemma von Aktivisten. Gemeint sind Protestformen, die stark gegen Normen verstoßen, stören oder anderen schaden, ausdrücklich auch aufheizende Sprache. Solche Formen verschaffen Öffentlichkeit. In ihren Experimenten senkten sie aber die Zustimmung zum Anliegen, weil sich die Befragten weniger mit der Bewegung identifizierten. Geprüft wurde das an Protesten für Tierrechte, von Black Lives Matter und gegen Donald Trump.14
Der Effekt traf auch Menschen, die das Anliegen schon teilten: Nach zugespitzten Aktionen unterstützten sie es weniger. Die Befragten werteten solche Aktionen als unmoralisch. Bei den Anti-Trump-Protesten stieg danach sogar die Bereitschaft, Trump zu unterstützen.15 Befragte Aktivistinnen und Aktivisten hielten zugespitzte Mittel dagegen für wirksam, um Unterstützer zu gewinnen.14 Untersucht wurden Proteste in den USA. Ob sich das eins zu eins auf Kommentarspalten übertragen lässt, ist offen.
Der Ton macht die Musik
Wie sehr der Ton die Wirkung einer Botschaft verändert, zeigt eine Studie der University of Wisconsin von 2014. Eine repräsentative Stichprobe in den USA las einen Blogbeitrag über Nanotechnologie. Die eine Hälfte sah darunter höfliche Kommentare, die andere unhöfliche, etwa: „Wer die Vorteile nicht sieht, ist ein Idiot.“ Der Inhalt der Kommentare war gleich.16,17
Wer die höflichen Kommentare las, änderte seine Sicht kaum. Wer die unhöflichen las, wurde in seiner Meinung extremer. Die Forschenden nannten das den „Nasty Effect“. Unhöfliche Kommentare veränderten sogar, wie die Leser den Beitrag selbst verstanden.17,18
Wenn Sachlichkeit selbst zur Zielscheibe wird
Ein Pile-on trifft nicht nur die Person, an der sich die Empörung entzündet hat. Auch wer in einer aufgeheizten Diskussion ruhig bleibt und zur Sache spricht, kann ins Visier geraten. Einen eigenen Fachbegriff dafür gibt es bisher nicht. Mehrere Konzepte aus der Forschung beschreiben aber jeweils ein Stück davon.
Das erste steckt in Marwicks Modell selbst. Die Belästigung richtet sich gegen Menschen, die gegen die Werte der Gemeinschaft verstoßen zu haben scheinen.3 Wer der Empörung widerspricht oder zur Mäßigung aufruft, stellt aus Sicht der Empörten genau diese Werte in Frage – und kann so zum nächsten Ziel werden. Das folgt aus der Logik des Modells; eigens untersucht hat Marwick es nicht.
Das zweite ist der Schwarze-Schafe-Effekt. Sozialpsychologische Experimente zeigen seit 1988: Mitglieder der eigenen Gruppe, die von deren Linie abweichen, werden oft härter beurteilt als Außenstehende mit derselben Haltung – vermutlich, weil sie das Bild der Gruppe stören.19 Der Effekt zeigt sich allerdings nicht in jeder Situation.20 Auf eine Gemeinschaft von Betroffenen übertragen hieße das: Die nüchterne Nachfrage aus den eigenen Reihen empört mehr als dieselbe Nachfrage von außen.
Das dritte nennt die Forschung moralisches Grandstanding: moralische Sprache, die vor allem dazu dient, den eigenen Status zu erhöhen. Zu den typischen Formen zählen Forschende um den Psychologen Joshua Grubbs das Draufsatteln – immer schärfere Formulierungen, um andere zu übertreffen – und das Sich-Anschließen beim öffentlichen Anprangern. In Befragungen mit mehreren tausend Teilnehmenden hing dieses Motiv mit mehr Streit über politische und moralische Themen zusammen.21 In einer solchen Dynamik bringt ein sachlicher Beitrag keinen Status, und er bremst die Eskalation, über die andere Status gewinnen. Auch das ist eine Schlussfolgerung, kein direkter Befund.
Und manche Empörung ist von Anfang an gewollt. Dafür hat sich der Begriff Ragebait eingebürgert: Inhalte, die absichtlich wütend machen sollen, weil Wut Klicks, Kommentare und Reichweite bringt. Oxford University Press hat „rage bait“ Ende 2025 zum Wort des Jahres gekürt; die Verwendung des Begriffs hatte sich binnen zwölf Monaten verdreifacht.22 Im Oktober 2026 wurde „Ragebait“ in Deutschland zum Jugendwort des Jahres gewählt.23 Unter einem solchen Beitrag läuft eine sachliche Antwort gegen den Zweck des Beitrags – der lebt von der Wut. Ob ein einzelner Beitrag absichtlich provoziert, lässt sich von außen allerdings selten beweisen.
Für alle, die ruhig bleiben, heißt das: Ein Angriff nach einem sachlichen Beitrag sagt oft mehr über die Dynamik der Diskussion als über den Beitrag.
Was Empörung mit denen macht, die sich empören
Gemeinsame Wut über Unrecht kann stärken. Eine Metaanalyse von 2008 hat 182 Effekte aus Studien zu gemeinsamem Engagement ausgewertet. Menschen setzten sich eher gemeinsam ein, wenn sie Unrecht empfanden, sich einer Gruppe zugehörig fühlten und der Gruppe zutrauten, etwas zu verändern. Empfundenes Unrecht, etwa Wut, wirkte dabei stärker als die bloße Feststellung von Unrecht.24
Eine wichtige Rolle spielt dabei Hoffnung. In drei Experimenten führte der Glaube an die Wirksamkeit der eigenen Gruppe nur dann zu mehr Bereitschaft, sich einzusetzen, wenn die Teilnehmenden auch Hoffnung auf Veränderung hatten. War die Hoffnung gering, blieb dieser Glaube ohne Wirkung.25
Für den Einzelnen kann Empörung zur Falle werden. Der Psychologe Brad Bushman hat 600 Studierende gezielt verärgert. Ein Teil schlug danach auf einen Boxsack ein und dachte dabei an die Person, die ihn geärgert hatte. Diese Gruppe war danach am wütendsten und aggressivsten. Am wenigsten wütend war die Gruppe, die gar nichts tat.26
Ähnliches zeigt die Forschung zum gemeinsamen Grübeln, im Englischen Co-Rumination: Probleme immer wieder gemeinsam durchkauen und bei den negativen Gefühlen bleiben. In einer Studie mit 608 Kindern und Jugendlichen hing das mit engeren Freundschaften zusammen und mit mehr Symptomen von Depression und Angst.27 In einer Folgestudie über ein Schuljahr sagte gemeinsames Grübeln bei Mädchen zunehmende Depressions- und Angstsymptome voraus, bei Jungen nicht.28 Untersucht wurden Gespräche unter jungen Menschen, keine Kommentarspalten.
Ob dauernde Empörung im Netz Hoffnung und Zuversicht nimmt, hat keine dieser Studien direkt untersucht. Die Befunde legen es aber nahe: Kreisende Wut verstärkt sich eher, als dass sie verfliegt, wie Bushman im Labor gezeigt hat. Gemeinsames Grübeln geht bei Jugendlichen mit mehr Depressions- und Angstsymptomen einher. Und ohne Hoffnung führt der Glaube an gemeinsame Wirksamkeit nicht zum Handeln. Wer sich im Netz immer wieder gemeinsam empört, ohne dass sich etwas ändert, riskiert nach diesen Befunden, mehr Wut und weniger Zuversicht zu haben. Das ist eine Schlussfolgerung aus verwandten Studien, kein direkter Befund.
Aufmerksam bleiben, ohne sich zu verlieren
Wut über Unrecht hat ihren Platz. Sie macht Missstände sichtbar und kann Menschen zusammenbringen, die etwas verändern wollen.24 Damit sie trägt, helfen nach diesen Befunden zwei Dinge: Abstand zur eigenen Wut und die Aussicht, etwas bewirken zu können. Dazu gibt es Befunde:
- Ablenkung statt Grübeln: In Bushmans Studie war Ablenkung wirksamer als Abreagieren mit dem Gedanken an die Person.26
- Von außen draufschauen: In einem Experiment von Mischkowski, Kross und Bushman berichteten Menschen weniger Wut, wenn sie die Situation wie aus der Entfernung betrachteten. Diese Studie ist hier über eine Zusammenfassung der University of Notre Dame ausgewertet.29
- Kurz warten und an die Folgen denken: Eine Pause half in Experimenten vor allem dann, wenn Menschen sie nutzten, um über die Folgen ihrer Reaktion nachzudenken.30
- Auf das schauen, was sich ändern lässt: Martijn van Zomeren folgert aus seiner Forschung, dass Hoffnung allein wenig bewegt. Wichtiger sei, Menschen in die Lage zu versetzen, Probleme gemeinsam zu lösen.31
Was helfen kann
PEN America empfiehlt in seinem Leitfaden mehrere Wege, sich zu schützen.32 Es handelt sich um Praxisempfehlungen aus der Arbeit mit Betroffenen. Studien zur Wirksamkeit der einzelnen Schritte nennt der Leitfaden nicht.
- Stummschalten: Beiträge und Nachrichten eines Accounts verschwinden aus dem eigenen Feed. Die Person erfährt davon nichts.
- Einschränken: Auf Instagram landen Kommentare eines eingeschränkten Accounts hinter einer Sperre. Nur die schreibende Person sieht sie, bis man sie freigibt oder löscht. Auch davon erfährt sie nichts.
- Blockieren: Der Account kann das eigene Profil nicht mehr sehen und keinen Kontakt mehr aufnehmen. Wer blockiert, zieht eine klare Grenze und entscheidet selbst, mit wem er im Gespräch bleibt. PEN America nennt einen möglichen Nachteil: Manche Blockierte bemerken die Sperre und rufen andere auf, weiterzumachen. Der Leitfaden stützt das auf Erfahrungsberichte, etwa der Autorin Celeste Ng, nicht auf Studien. Ob Blockieren einen Angriff verschärft, bleibt nach dieser Quelle offen.32
- Screenshots bei Drohungen: PEN America rät, Belästigung mit Screenshots und direkten Links festzuhalten.33 Bei Drohungen ist das laut Leitfaden die Voraussetzung, um Polizei oder Gericht einzuschalten.1 Besonders wichtig ist das bei Direktnachrichten: Sie sieht außer der angeschriebenen Person niemand, und ohne Screenshot gibt es keinen Beleg.
- Pause und Unterstützung: Bei einem Angriff durch viele rät PEN America, eine Vertrauensperson die Kommentare beobachten und melden zu lassen, während man selbst Abstand nimmt.1
Für Mitlesende gibt es einen Befund aus der Forschung: In der Michigan-Studie sank die Zustimmung zur Belästigung, wenn eine unbeteiligte Person eingriff.2 Ein Eingreifen von außen kann also beeinflussen, wie Mitlesende den Angriff bewerten. Wie dieser Eingriff am besten aussieht, lässt sich aus der Studie nicht ablesen.
Warum wir keine Kommentare zulassen
Netzwerk FNS hat die Kommentarfunktion auf Instagram abgeschaltet. Unter einem öffentlichen Beitrag wäre jede Krankengeschichte für alle lesbar, und eine Diskussion kann kippen. Wer uns erreichen will, schreibt über die Kontaktadresse auf dieser Seite.
Unsere Haltung
Netzwerk FNS will auf Instagram präsent sein, aber nicht um jeden Preis Reichweite erzeugen. Wir schauen auf unsere Zahlen, weil wir wissen wollen, ob unsere Beiträge ankommen. An Herzen und Kommentaren messen wir uns nicht, und wenn nach einem Beitrag zehn Menschen entfolgen, nehmen wir das gelassen. Wenn ein Beitrag zehn Menschen erreicht und ihnen tatsächlich hilft, ist uns das wichtiger, als hunderttausend zu empören. Dass sich sachliche und auch unbequeme Beiträge auf Instagram behaupten können, zeigen uns die Menschen, die bleiben – lieber tausend, die lesen, als hunderttausend, die sich empören.
Quellen
- PEN America: Online Harassment Field Manual – Defining Online Harassment: A Glossary of Terms (Cyber-Mob Attacks/Dogpiling; Outrage Mobs). onlineharassmentfieldmanual.pen.org, abgerufen am 19.10.2026.
- Blackwell L, Chen T, Schoenebeck S, Lampe C (2018): When Online Harassment Is Perceived as Justified. Proceedings of the International AAAI Conference on Web and Social Media 12(1). doi.org/10.1609/icwsm.v12i1.15036 (am Volltext geprüft)
- Marwick AE (2021): Morally Motivated Networked Harassment as Normative Reinforcement. Social Media + Society 7. doi.org/10.1177/20563051211021378
- Grimmelmann J (2022): There’s No Justice Like Angry Mob Justice. Besprechung von Marwick 2021. The Laboratorium, 14.07.2022.
- Watzlawick P, Beavin JH, Jackson DD (1969): Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Bern, 2. Axiom.
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- Yale News (13.08.2021): ‘Likes’ and ‘shares’ teach people to express more outrage online. news.yale.edu
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- Pew Research Center (2021): Some Americans who have been targeted by troubling behaviors online wouldn’t call it ‘harassment’. Short Read, 22.01.2021. pewresearch.org
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- PEN America (2020): You’re Not Powerless in the Face of Online Harassment. pen.org
Transparenzhinweis: Wo eine Studie über Zusammenfassung oder Pressemitteilung statt über den Volltext ausgewertet wurde, ist das bei der jeweiligen Quelle vermerkt.
Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Stand: Oktober 2026.
Zur Autorin
Annette Gabriele Unverzagt
Journalistin. Sie ist selbst von einer Funktionellen Neurologischen Störung betroffen und hat das Netzwerk FNS gegründet, weil verlässliche Informationen zu FNS im deutschsprachigen Raum schwer zu finden sind.